Von Einem, der überlegte, auf der Wolke zu leben

Ein Zwischenruf zum Thema Personalwirtschaft in der Cloud

01. März 2016 | von

Es war einmal eine Familie, die lebte seit vielen Jahren sehr zufrieden in einem großen komfortablen Haus. Bevor sie es damals kauften, hatten sie sehr lange gesucht, weil sie besondere Ansprüche und ganz spezielle Bedürfnisse hatten. Sie hatten sich dann für dieses Haus entschieden, weil man es aus Fertigteilen ganz nach Belieben zusammenstellen konnte – innen und außen. Mit Grausen erinnerten sie sich an die Zeit davor. Sie hatten in einem Haus gelebt ohne eigenes Badezimmer, mit Außen-Toilette und Kohleheizung. Aber jetzt war auch dieses Haus in die Jahre gekommen. Immer öfter musste etwas repariert werden.

Die Familie hatte bei der Planung Ihres jetzigen Hauses alle Wünsche berücksichtigt. Besonderen Wert hatten sie damals auf die Gestaltung von Küche und Bad gelegt, das Wohnzimmer hat Kamin und Wintergarten und alle Schlafzimmer haben große Einbauschränke. Das war etwas teurer gewesen, aber „es war ja schon immer etwas teurer einen besonderen Geschmack zu haben“. Besonders gut fanden sie, dass das Haus sich geänderten Ansprüchen anpassen konnte. Auch darauf hatten sie sehr viel Wert gelegt. Zum Beispiel als die Kinder kamen. Sie konnten weitere Räume ein- und anbauen und sogar einrichten zu lassen. Ein Arbeitszimmer wurde benötigt und konnte realisiert werden und im Keller eine Sauna.

Der Anbieter des Hauses, und auch das war ein Grund für die Kaufentscheidung, hatte die Wartung der wichtigsten Teile, wie z.B. Heizung, Dach und Fenster übernommen, gegen eine vertretbare Gebühr, versteht sich. Die Familie war im Grunde immer noch ganz zufrieden mit dem Kauf. Auch das große Grundstück bot genügend Platz und die Nachbarschaft war sicher und lebenswert.

Aber nun ging doch, durchaus erwartungsgemäß das eine oder andere kaputt, es musste mal renoviert werden. Das Haus benötigte zwischenzeitlich ganz besonders einen frischen Anstrich und seit einiger Zeit wären auch neue Isolierfenster notwendig.
Doch als der Familienvater den Anbieter danach fragte, wann das die Wartung vorsehe, sagte ihm dieser, dass er leider nur noch die Elektrogeräte in der Küche und die Armaturen im Bad regelmäßig warten könne, größere Investitionen, wie z.B. neue Fenster würden sich nicht mehr lohnen. Er kündigt an, den Wartungsvertrag nicht mehr unbefristet zu verlängern und das gelte auch für die Erweiterungen. Alles veraltete Technik! Aber der Anbieter bot der Familie an, doch mal die neuen Häuser des Anbieters besichtigen, die man künftig ausschließlich vertreiben und betreuen werde. Die müsse man auch nicht mehr kaufen, sondern könne sie ganz bequem mieten. Und man brauche auch kein eigenes Grundstück mehr, alles in der Miete enthalten inklusive Gärtner. Und das Beste: Alle Zimmer der Häuser haben eingebaute Playstations und WLAN und Tabletts zur Steuerung der Haustechnik. Die Eltern besichtigten die Häuser. Sie lagen alle auf einer wunderschönen Insel. Sie sahen sehr modern und freundlich aus…..und vollkommen identisch!

Alle Häuser hatten 2 mittelgroße Zimmer und einen kleinen Glasanbau. Bad und Küche gab es zwar nicht, aber der Anbieter versprach, in den nächsten Jahren auch dafür zu sorgen und in der Zwischenzeit könne der Mann ja auch noch sein altes Haus zum Kochen und Baden nutzen. Überhaupt Küche, sagte der Anbieter, die Generation Y kann ohnehin nicht kochen, das sei denen viel zu aufwendig und es gibt so viele Restaurants. Und wozu ein teures eigenes Bad? Jeder ist doch in einem Fitness-Club und die haben tolle Duschen, Bäder und Saunalandschaften. Der Glasanbau war zwar nicht mal halb so groß wie der eigene Wintergarten, aber viel moderner und auch er hatte eine eingebaute Playstation. Ein Kamin fehlte, konnte auch nicht nachgerüstet werden. Aber der Anbieter verwies auf die Probleme beim Betrieb von offenen Kaminen und darauf, dass das Haus mit Fernwärme betrieben wird. Und nein, eine Fußbodenheizung gab es nicht, auch nicht als Extra. Und auch kein Teich im Garten – unnötiger Luxus und nein, Haustiere sind auch nicht erlaubt. Aber, sagte der Anbieter, sie würden keine Probleme mehr mit den anstehenden Renovierungen in ihrem jetzigen Haus haben.

Nachdenklich verließ die Familie die Insel mit den neuen Häusern. Mann und Frau zweifelten, ob es eine gute Entscheidung wäre, umzuziehen, auch wenn die Kids von den Playstation begeistert waren. Aber würden Playstation, WLAN, Tablets zur Steuerung der Haustechnik ein Leben auf einer Insel ohne den Komfort, den sie heute kannten, aufwiegen? Die vielen Restaurantbesuche würden eine Menge Geld kosten und das alte Haus war unverkäuflich und muss mindestens noch ein paar Jahre zusätzlich unterhalten werden.

Die Familie hat dann nochmal mit dem Anbieter gesprochen und da hat man ihnen gesagt, wenn sie also wirklich nicht auf den ganzen Komfort verzichtet wollen, dann können sie einfach eines der neuen Häuser kaufen und auf dem eigenen Grundstück aufbauen. Da haben sie dann die Möglichkeit Bad und Sauna und Küche und Kamin individuell einbauen zu lassen. Der Familienrat hat nach heißer Diskussion beschlossen: Die Kinder werden, wenn sie ausziehen eines der neuen Häuser mieten und ausprobieren, sie haben ja noch keine großen Ansprüche.  Die Eltern haben ausgerechnet, dass es für sie günstiger ist, das alte Haus aufzufrischen, sie möchten den Komfort nicht missen und Küche und Bad empfinden sie als Notwendigkeit und nicht als Luxus. Sie haben gehört, es gibt da Spezialisten, die renovieren , ohne dass man das Haus verlassen muss inkl. Farbe, Fenster, WLAN und auch ein Tablet kann man nachrüsten und, wenn es unbedingt sein muss, auch Playstations in allen Räumen.